Sport in Neuss

 

Der Neusser Stadtsportverband hat mir Fragen zum Neusser Sport gestellt, die ich wie folgt beantwortet habe:


Welche Bedeutung messen Sie dem „Neusser Sport“ im gesellschaftlichen Konsens in der Quirinusstadt?

Der Neusser Sport in seiner vielfältigen Bandbreite hat in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Wir sind auf Grundlage einer mit Politik, Bürger*innen und Vereinen abgestimmten Sportentwicklungsplanung auf dem richtigen Weg, eine echte Sportstadt zu werden. Sportliche Betätigung ist gesund und berührt viele Lebensbereiche. Er ist für viele Bürger*innen Ausdruck von Freude und sinnstiftend.

Das breite sportliche Angebot in der Stadt Neuss baut Brücken zwischen den Menschen unterschiedlicher Kulturen, Religionen, Geschlechter und unterschiedlichen Alters. Deshalb ist Sport in Neuss ein wichtiger Baustein für den Zusammenhalt unserer Stadtgesellschaft.

Durch das veränderte Sportverhalten der Bevölkerung steht der Sport aktuell vor neuen Kurskorrekturen, die insbesondere für die zahlreichen Traditionsvereine auch neue Chancen bietet. Insofern gehen vom Sport auch wichtige Impulse für die Entwicklung der gesamten Stadt und der Stadteile aus.


Wo sehen Sie den „Neusser Sport“ organisatorisch und ehrenamtlich im Jahre 2025? Das Ehrenamt und die Übungsleiter sind das Rückgrat des „Neusser Sports“. Welche Ansätze sehen Sie zur Stärkung/Förderung?

In den nächsten fünf Jahren muss sich der Stadtsportverband im Zusammenspiel mit der Stadtverwaltung, Politik und den Vereinen noch stärker als Motor, Dienstleister und Koordinator von ehrenamtlicher Vereinsarbeit im Sport etablieren. Als Bürgermeister werde ich den Stadtsportverband in dieser Aufgabe weiterhin unterstützen.

Das Funktionieren unserer Stadtgesellschaften hängt auf Dauer auch davon ab, in welchem Umfang sich die Bürger*innen unabhängig und freiwillig selbst organisieren und Verantwortung übernehmen. Dies gilt im Besonderen für die ca. 2,7 Millionen Ehrenamtler*innen im Sportbereich. Um auch in Zukunft Menschen für das Ehrenamt und die gestiegenen Anforderungen bei der Organisation des Sports zu begeistern, brauchen diese neben Anerkennung insbesondere professionelle Begleitung und Unterstützung, wie sie durch den Stadtsportverband und die Fachverbände, aber auch durch die Neusser Stadtverwaltung geleistet wird.

Bund, Länder und Kommunen haben die Bedeutung des Ehrenamtes mit zahlreichen Aktivitäten und Projekten in den Fokus gestellt. In unserer Heimatstadt Neuss habe ich bereits im letzten Jahr mit der Einrichtung einer Geschäftsstelle „Ehrenamt“, die organisatorisch im Bürgermeisteramt angesiedelt wurde, ein Zeichen gesetzt. Mit der Benennung meines persönlichen Referenten, Herrn Frank Derichs, zum „Ehrenamtsbeauftragten“ steht Ihnen als „Lotse durch den Behördendschungel“ ein ehemaliger Vorsitzender eines Sportvereins zur Seite, der die Sportlandschaft unserer Stadt sehr gut kennt. Die Leiterin der Geschäftsstelle „Ehrenamt“, Frau Vera Hausotter, ist selbst ehrenamtlich in einem Sportverein aktiv. Abschließend möchte ich die Mitarbeiter*innen des Sportamtes und unseren Sportreferenten Uwe Talke noch benennen, die seit Jahren sehr engagiert und eng mit dem SSV und den Vereinen zusammenarbeiten.

Insofern sehe ich den Neusser Sport in Richtung 2025 durch das beschriebene Netzwerk von engagierten Mitarbeiter*innen der Verwaltung, dem Stadtsportverband und den Sportvereinen organisatorisch als auch beim Thema Ehrenamt sehr gut aufgestellt.

Bezüglich der weiteren Stärkung/Förderung des Ehrenamtes überprüfen wir aktuell die Kriterien und Vergünstigungen der Ehrenamtskarte der Stadt Neuss. Ich werde hier gezielt auch die Einbeziehung der Übungsleiter*innen im Sportbereich prüfen lassen.


Wo sehen Sie den „Neusser Sport“ infrastrukturell im Jahre 2025?

Ich werde den mit breiter Zustimmung verabschiedeten Sportentwicklungsplan zielgerichtet weiter umsetzen und diesen im Dialog u.a. durch eine Fortsetzung der von mir initiierten „Sportgipfel“ bedarfsgerecht fortschreiben. Ich werde beispielhaft die folgenden Projekte weiterhin sehr engagiert unterstützen und skizziere  im Idealfall die Sport-Infrastruktur-Entwicklung bis zum Jahre 2025 wie folgt:

  • Fertigstellung aller Kunstrasenplätze in den Fußballzentren (Reuschenberg befindet sich nach Gnadental, Norf und dem Jahnstadion aktuell im Bau) und bedarfsgerechter Bau ergänzender Allwetter-Kleinspielfelder
  • Bereitstellung weiterer Angebote für Freizeitsportler, bspw. Outdoor-Fitness-Anlagen; ein Schwerpunkt soll im „Bürgerpark“ an der ehemaligen Rennbahn liegen
  • Nach Sanierung aller Bäder erfolgt die Umsetzung meiner Idee eines Badesees als zusätzliche Attraktion für das Südparkbad in Reuschenberg unter Beibehaltung des Rundweges
  • Erhalt und Sanierung des Konrad-Bades als einziges Lehrschwimmbecken in unserer Stadt mit organisatorischer Einbindung in die NBE GmbH
  • Neben dem „Ringerzentrum“ am Nordpark soll ein modernisiertes Sportzentrum der TG mit Erweiterungsbau an der Schorlemer Straße entstehen, gefolgt von einem Ergänzungsbau am Südpark als „Sport und Gesundheitszentrum“ mit Anbindung an die zu optimierende Eissporthalle und das bereits frisch sanierte Südbad
  • Umsetzung des Sanierungs- und Investitionsprogramms „Gute Sporthalle“
  • Errichtung einer „Multifunktionshalle“ für den Bereich Sport und Kultur unter konzeptioneller Einbindung des Stadtsportverbandes

Welche Bedeutung hat der „Neusser Sport“ im Hinblick auf die Integration und die Inklusion?

Die Integration der Menschen mit Zuwanderungsgeschichte habe ich als Bürgermeister zur Chefsache erklärt. Der Rat der Stadt Neuss hat in der letzten Sitzung vor der Sommerpause ein neues Integrationskonzept auf den Weg gebracht. Ein wichtiger Baustein für das Gelingen der Integrationsbemühungen ist der Sport. Ich zitiere hier aus dem Konzept: „Im und mit dem Sport fällt Integration sehr leicht.“

Sportliche Aktivität fördert die sozialen Kontakte, das Kennenlernen und den Respekt voreinander. Der Sport vermittelt wichtige Fähigkeiten und Kompetenzen, die die Integration erleichtern. Insbesondere der Stadtsportverband als Dachorganisation für alle Neusser Sportvereine versteht sich als Mittler für eine Fülle an Sportarten und Bewegungsangeboten.

Zu diesem Thema hat der Stadtsportverband mit dem ehemaligen Integrationsbüro des Sozialamtes eine sehr gute Broschüre mit dem Titel „Sport spricht viele Sprachen“ herausgegeben. Sie fungiert für die zugewanderten Menschen als Sportwegweiser, in sieben Sprachen übersetzt, um möglichst viele Menschen mit Zuwanderungsgeschichte anzusprechen.

Es ist mir sehr wichtig, dass Menschen mit Behinderung, bzw. Handicaps – unabhängig von der Art ihrer Behinderung – die Möglichkeit haben, inklusiv Sport zu treiben. Neuss ist für ihre erfolgreichen Sportler in diesem Bereich bundesweit bekannt und stolz darauf. Ich habe die erfolgreiche Ausrichtung der „Special Olympics 2017“ in Neuss persönlich gefördert und mit vielen engagierten Menschen unterstützt. Drei Tage haben sich über 1.000 Sportlerinnen und Sportler mitreißende Wettbewerbe geliefert. Ich werde mich auch weiterhin engagiert für die Förderung des Behindertensports und der Inklusion einsetzen.


Welche Rolle spielt für Sie die Förderung des hiesigen leistungsorientierten Sports mit seinen Vorbildern?

Neusser Leistungssportler*innen stehen im sportlichen Wettkampf für Willensstärke, Disziplin, Ausdauer und gegenseitigen Respekt. Ihre Erfolge und ihr positives Auftreten fördern auch das positive Image der Stadt Neuss. Eine Vielzahl ehemaliger und aktiver Neusser Leistungssportler*innen  sind Vorbilder und Motivatoren für Kinder und Jugendliche zu eigener sportlicher Aktivität. Zur zielgerichteten Förderung unseres Bundesligasports stehen den jeweiligen Vereinen seit diesem Jahr jährlich 100.000 EUR zur Verfügung. Deshalb ist es richtig, leistungsorientierten Sport und junge Talente besonders zu fördern. Nicht immer müssen diese Sportler*innen im Rampenlicht stehen. Denn auch und gerade in vielen Sportarten, die wenig mediales und öffentliches Interesse hervorrufen, werden beachtliche Leistungen erbracht. Mit der jährlichen Verleihung von Sportehrengaben durch die Stadt Neuss werden diese sportlichen Leistungen in einem unterhaltsamen Rahmen besonders hervorgehoben und gewürdigt. Häufigere Einträge in das „Goldene Buch“ der Stadt Neuss sollen zudem herausragende sportliche Erfolge Neusser Sportler*innen zeitnah in das öffentliche Bewusstsein rücken und anerkennen. 


Ist Sport für Sie ein Stück Stadtmarketing?

Sport ist für mich ein wichtiger Aspekt des Stadtmarketings. Das Ziel von Stadtmarketing ist ein positives Image unserer Heimatstadt zu schaffen und deren überregionalen Bekanntheitsgrad zu erhöhen. Ebenso ist die Identifikation der Bürger*innen mit unserer Stadt Ziel von Stadtmarketing. Diese Effekte werden unbestritten durch sportliche Höhepunkte wie den „Sommernachtslauf“, die „Tour de Neuss“ und den „QuirinusCup“ erreicht.

Aber auch überregional, national oder gar international bedeutsame Sportevents sind „Werbeträger“ für die Stadt Neuss. Dies kann zweifellos für die Durchfahrt der „Tour der France“ im Jahr 2017, die Durchführung der „Special Olympics NRW“ und die Ausrichtung zahlreicher Landes- und Bundesmeisterschaften unterstrichen werden. Auch als Austragungs- und/oder Trainingsstandort für Weltmeisterschaften bzw. Olympische Spiele hat die Stadt Neuss Potenziale, die sie in Bewerbungen einbringen wird.

Es darf in diesem Zusammenhang auch an den TC Blau Weiss Neuss erinnert werden, der in den Hochzeiten des Tennissports bundesweit eine Visitenkarte der Stadt Neuss war. Ich habe bereits in jüngster Vergangenheit Gespräche mit den Verantwortlichen des Vereins geführt, die u.a. auch das „Auffrischen der Marke Blau Weiss“ zum Inhalt hatten.


Der Sommernachtslauf, die „Tour de Neuss“ oder der QuirinusCup sind sportliche Neusser Aushängeschilder. Wäre es nicht sinnvoll, die veranstaltenden Vereine im Hinblick auf die stetig steigenden organisatorischen, haftungsrechtlichen sowie finanziellen/steuerlichen Herausforderungen zu entlasten?

Die genannten Veranstaltungen sind für viele Bürger*innen absolute Highlights in ihrem Jahreskalender. Die Stadt Neuss unterstützt daher auch Jahr für Jahr mit finanziellen Zuwendungen in beträchtlicher Höhe sowie mit umfangreichen Hilfen im organisatorischen Bereich. Ich kann bestätigen, dass bei Veranstaltungen dieser Art die Anforderungen und damit auch die organisatorischen und finanziellen Belastungen für die ausrichtenden Vereine größer werden. Sollte ein entsprechender Bedarf bei den ausrichtenden Vereinen bestehen, sollten die Stadtverwaltung und die Vereine unter stärkerer Einbeziehung des Stadtsportverbandes gemeinsam Konzepte zur künftigen Sicherung dieser „Leuchtturmveranstaltungen“ entwickeln.


Wie schätzen Sie die Auswirkungen von „COVID-19“ auf den Neusser Sport ein und was gedenken Sie zu tun, um den „Neusser Sport“ Hilfestellung zu leisten?

Nach meiner Einschätzung wird entscheidend sein, wie sich die Infektionslage bis zum Herbst weiter entwickelt. Sollte eine vollständige Aufnahme des Übungs-, Trainings- und Wettkampfbetriebs nicht möglich sein, könnte das dazu führen, dass den Vereinen verstärkt Mitglieder, Übungsleiter, Ehrenamtler*innen sowie sportliche Leistungsträger*innen verloren gehen und bestehende Strukturen wegbrechen. Zusätzlich gefährden fehlende Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen, Veranstaltungen und Sponsoring die wirtschaftliche Situation der Vereine.

Die Stadt Neuss hat im Mai nach den ersten Lockerungen in der Coronaschutzverordnung des Landes NRW die eingeräumten Möglichkeiten im Sport umgehend umgesetzt und den (eingeschränkten) Trainingsbetrieb auf allen städtischen Outdoor-Sportanlagen und in den städtischen Turn- und Sporthallen wieder ermöglicht, unter Berücksichtigung der für ganz NRW geltenden Einschränkungen.

Für die Sommerferien, in denen die Hallen bis auf einige Ausnahmen durchgehend geschlossen sind, hat die Stadt Neuss es ermöglicht, dass zahlreiche Hallen in deutlich größerem Umfang genutzt werden können. Ebenfalls wurde das Konrad-Bad erstmalig in den Sommerferien geöffnet, um dem Neusser Schwimmverein die Möglichkeit einzuräumen, Schwimmkurse für Kinder anzubieten.

Hinsichtlich der herausragenden Sportveranstaltungen von Vereinen im Jahr 2020, für die der Sportausschuss bereits im März die Gewährung von Zuwendungen beschlossen hatte, die aber wegen der Corona-Pandemie ausgefallen sind (z.B. „Sommernachtslauf“ und „QuirinusCup“) oder noch ausfallen werden, hat der Sportausschuss beschlossen, dass trotzdem Zuwendungen zu den bereits angefallenen Kosten gezahlt werden, bzw. gezahlt werden können, wenn Vereine diese Kosten nachweisen.

Eine weitere Hilfestellung für Sportvereine, die wirtschaftliche Probleme durch die Corona-Pandemie haben, ist die Zuwendung von Mitteln aus dem Sportetat (Zuwendungen zur Durchführung herausragender Sportveranstaltungen, Zuschüsse für die Teilnahme an Meisterschaften, etc.).  Diese Mittel werden sicherlich in diesem Jahr nicht komplett abgerufen. Dazu werde ich in Abstimmung mit der Sportverwaltung dem Sportausschuss entsprechende Vorschläge unterbreiten.


Welche Rolle spielt Sport in Ihrem Leben?

Sport ist für mich aktiv oder auch passiv ein wichtiger Teil meines Lebens, hin und wieder auch ein Mittel, um Stress abzubauen und leistungsfähig zu bleiben.

Ich habe in meiner Jugend sehr viel aktiven Sport betrieben und relativ gut, jedenfalls gerne Fußball, Tennis und auch Basketball beim TSV Norf gespielt. Wenn es die begrenzte Zeit erlaubt, jogge ich ein wenig oder spiele mit Freunden Tennis. Gerne besuche ich als langjähriger Fan von Borussia Mönchengladbach das eine oder andere Heimspiel, habe mich natürlich über die Champions-Leaque-Qualifikation sehr gefreut.

Meine Frau und meine Tochter sind begeisterte Reiterinnen, was ich interessiert als so genannter „TT“ (= Turnier-Trottel) begleite.